Empfehlung 1248 (1994) zur Erziehung hochbegabter Kinder
Recommendation 1248 on education for gifted children
(Angenommen von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates am 7. Oktober 1994)
- Die Versammlung bekräftigt Erziehung als ein fundamentales Menschenrecht und ist der Meinung, dass sie, soweit überhaupt möglich, jedem Individuum angemessen sein sollte.
- Wenn auch aus praktischen Zwecken heraus Erziehungssysteme so gestaltet werden müssen, dass sie für die Mehrheit der Kinder adäquate Erziehung ermöglichen, so wird es immer Kinder mit besonderen Bedürfnissen geben und für die spezielle Vorkehrungen getroffen werden müssen.
- Hochbegabte Kinder sollen von angemessenen erzieherischen Bedingungen profitieren können, die es ihnen erlauben, ihre Möglichkeiten voll zu entwickeln, zu ihrem eigenen Nutzen und zum Wohle der Gesellschaft.
- Besondere erzieherische Einrichtungen sollen jedoch in keiner Weise eine bestimmte Gruppe von Kindern zum Nachteil anderer privilegieren.
- Die Versammlung empfiehlt deshalb, dass das Ministerkommitee die zuständigen Stellen der Unterzeichnerstaaten der Europäischen Kulturkonvention auffordert, die folgenden Überlegungen in ihren Bildungsmassnahmen zu berücksichtigen:
- Die Gestzgebung soll individuelle Unterschiede berücksichtigen und respektieren.
- Sowohl Grundlagenforschung in den Bereichen "Hochbegabung" und "Talent" als auch angewandte Forschung, zum Beispiel zur Verbesserung von Identifikationsprozeduren, sollen parallel entwickelt werden.
- Inzwischen sollen Lehrerfortbildungsmassnahmen Strategien zur Identifizierung von Kindern mit hohen Fähigkeiten und besonderem talent beinhalten. Allen, die mit Kindern umgehen (Lehreh, Eltern, Ärzte, Sozialarbeiter, Erziehungminsterien und -behörden usw.), sollen Informationen über hochbegabte Kinder zugänglich gemacht werden.
- Massnahmen für Kinder, die in einem bestimmten Bereich besonders begabt sind, sollten vorzugsweise innerhalb des regulären Schulsystems organisiert werden, von der Vorschulerziehung an aufwärts. Flexible Curricula, mehr Möglichkeiten für Mobilität, anreicherndes Ergänzungsmaterial, audio-visuelle Hilfen und projekt-orientierte Unterrichtsstile sind Wege und Techniken, die Entwicklung aller Kinder vorwärts zu bringen, seien sie hochbegabt oder nicht, und das Erkennen besonderer Bedürfnisse zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erlauben.
- Das normale Schulsystem sollte so flexibel gestaltet werden, dass den Bedürfnissen hochbefähigter und talentierter Schüler entsprochen werden kann.
- Jegliche Sondermassnahme für hochbegabte oder talentierte Schüler sollte mit Zurückhaltung angewandt werden, um die damit verbundene Gefahr des Etikettierens mit all seinen unerwünschten Folgen für die Gesellschaft zu vermeiden.
- Es besteht die Notwendigkeit, den Begriff von "Hochbegabung" durch eine operationale Definition, die in verschiedenen Sprachen akzeptiert und verständlich ist, zu klären. Deshalb befürwortet die Versammlung weiterhin, dass das Ministerkommitee die Einsetzung eines ad-hoc-Ausschusses zu diesem Zwecke in Betracht zieht, der aus Psychologen, Soziologen und Pädagogen aller wichtigen Spezialisierungen besteht.
(Übersetzung aus dem Englischen von K.K. Urban, 1996)