Entwicklung von Kindern mit überdurchschnittlichem Potential

Auswertung und Zusammenfassung einer Umfrage durchgeführt von der EHK-Regionalgruppe Ostschweiz über die Entwicklung von Kindern mit überdurchschnittlichem Potential in der Schule.

Bericht von Martina Harrer

Zusammenfassung und Ergebnisse der Elternumfrage

Eine Umfrage unter Eltern von Kindern mit überdurchschnittlichem Potential wurde im Februar/ März 1998 in den Kantonen AR, SG, TG mittels Fragebogen durchgeführt. Das Vorgehen und die Auswertungstechnik werden kurz im Bericht beschrieben. Auffällig am Ergebnis ist, dass in etwa 2/3 der Fälle die Eltern die Unterforderung der Kinder entdeckten. Knapp mehr als die Hälfte der Kinder zeigt psychosomatische Reaktionen, viele Kinder sind in Kindergarten oder Schule angepasst, reagieren jedoch zu Hause. In knapp mehr als der Hälfte der Fälle wurde das Überspringen einer Klasse als eine Massnahme zur vorübergehenden Entlastung genannt. 2/3 der Eltern erwähnten, dass die Lehrkraft kein Verständnis für das Problem zeige. Die Lehrkräfte, die Verständnis zeigen, wissen jedoch oftmals nicht, welche Massnahmen in welcher Form im Unterricht ergriffen werden könnten.

Fördermassnahmen oder Hobbies, die die 28 Kinder zum Ausgleich der Unterforderung neben der Schule her betreiben, erreichen insgesamt einen Umfang von 136 Stunden pro Woche, dem steht die Zahl von 17 Lektionen an Dispenszeiten gegenüber, was auf eine enorme zeitliche Belastung der Kinder hindeutet. Nicht eingerechnet in den "privaten Zeitaufwand" sind hier die Fahrzeiten und Übungszeiten für Musikinstrumente oder Fremdsprachen. Überwiegend werden die Kosten von den Eltern übernommen. Nur 4 Eltern bemerkten, dass ihre Kinder im Unterricht gefördert würden, während alle übrigen Kinder während der Unterrichtszeit nicht gefördert werden. Auffällig ist, dass mehr als die Hälfte der Kinder lieber mit älteren Kindern spielt oder mit Erwachsenen diskutiert als mit gleichaltrigen. Die meisten Eltern gaben und geben ihren Kindern eine Antwort auf ihre vielen Fragen.

1. Wozu eine Umfrage?

Gibt es eine Möglichkeit, die speziellen Bedürfnisse von Kindern mit überdurchschnittlichem Potential und deren Eltern an den Stellen in verschiedenen Kantonen vorzutragen, die Verantwortung für die Bildungspolitik tragen?

Welche Probleme und Bedürfnisse haben unsere Kinder, können sie auf einen Nenner gebracht werden? So individuell die einzelnen Lebens- mitunter auch Leidenswege der einzelnen Kinder sind, so gibt es doch einige gemeinsame Komponenten. Diese Komponenten konkret zu erfassen, war unser Ziel.

2. Der Fragebogen

Beim Erstellen des Fragebogens wurde überlegt, zu welchen Aussagen eine Auswertung führen soll. Für die Auswertung ist es am einfachsten, wenn auf ganz konkrete Fragen nur eine Auswahl von vorgegebenen Antworten getroffen werden kann, also angekreuzt werden müssen. Es ist unter Umständen schwierig für den Ausfüllenden, das "Kreuzchen" dann an der zutreffenden Stelle zu plazieren.

Die schwierigste Art der Auswertung ist, freie Antworten auf ziemlich offene Fragen in ein Raster von gemeinsamen Komponenten zu bringen. Wir versuchten mit Hilfe einer Mischung aus beidem einerseits konkrete Fakten zu erfahren, andererseits "emotionale Stimmungen" einzufangen. Der anschliessende Bericht über die Auswertung versucht beides wiederzugeben, ohne dass nachvollziehbar sein soll, aus welcher Familie welche Aussagen stammen.

Fragen wurden gestellt zur Entwicklungszeit vor dem Kindergarten, zur Zeit Kindergarten/ Erste Klasse und zur weiteren schulischen Entwicklung. Dabei interessierte wer die Unterforderung entdeckte und wodurch sie auffiel. Ausserdem wurde nach Massnahmen gefragt, die während der Schulzeit und in der Freizeit ausgeübt werden, mit welchem zeitlichen Aufwand und wer für die Kosten aufkommt. Einige Fragen zum Elternverhalten, Lehrerverhalten und zum bevorzugten Kontaktverhalten des Kindes wurden gestellt.

3. Versand und Rücklauf

Die Fragebögen wurden an 32 Familien aus den Kantonen AR, SG, TG etwa Mitte Februar 98 versandt. Die Rücksendung sollte bis etwa Ende März erfolgen. In Familien mit mehreren betroffenen Kindern sollte der Bogen für jedes weitere Kind kopiert werden. Geantwortet haben 20 Familien, ein Rücklauf von etwa 2/3, was relativ viel ist bei Erhebungen mit Fragebogen. Insgesamt haben wir 28 Fragebogen mit Antworten zu 28 verschiedenen Kindern erhalten.

4. Auswertungstechnik

Die Auswertung erfolgte mit Hilfe einer Tabelle, die in Stichworten die Fragen in den Spaltentiteln enthält. In jeder folgenden Zeile befinden sich die Antwortdaten zu je einem Kind. Ist ein Feld leer, so wurden keine Angaben gemacht, oder die Frage ist nicht relevant für das betroffene Kind. In den vielfältigen Antworten der Eltern tauchten immer wieder ähnliche Stichwörter auf, die in der Auswertung benutzt werden. Unter der Tabelle im Bereich "Merkmale" sind diese Stichwörter wiederzufinden. Dort sind auch die zugehörigen Abkürzungen aufgeführt, die in der Tabelle verwendet wurden. Manche Abkürzungen werden mehrfach verwendet, sie beziehen sich jedoch immer auf die unmittelbare Umgebung der Spalte, in der sie angeführt sind. Beispiel: Das kleine "w" in der 2. Spalte bedeutet "weiblich", das kleine "w" in der viertletzten Spalte bedeutet "wenig". Eine Tabelle mit erfassten Daten ist diesem Bericht angehängt.

5. Auswertungsergebnis

Die Menge von 28 Kindern ist zu gering, um statistisch fundierte Aussagen zu machen, zeigt aber Ansätze der Problematik auf, die durch umfassendere Studien genauer untersucht werden könnten. 2 Kinder stammen aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, 16 aus dem Kanton St. Gallen und 10 aus dem Kanton Thurgau. 5 Kinder sind 6 Jahre alt oder jünger, sind also noch jünger als das offizielle Schuleintrittsalter, 5 Kinder sind älter als 12 Jahre und haben damit die Primarschulzeit bereits hinter sich gebracht. 18 Kinder unserer Untersuchungsmenge sind im Primarschulalter.

Aus der Literatur ist bekannt, dass Kinder mit besonderen Fähigkeiten gleich häufig auf beide Geschlechter verteilt sind. In unserem Falle wurden Fragebögen für 15 weibliche und 13 männliche Kinder zurückgesandt. Ein Ergebnis, das im Rahmen der Angaben aus der Literatur liegt. Dass es sich tatsächlich um Kinder mit überdurchschnittlichem Potential handelt, kann als ziemlich sicher gelten, da nur 3 nicht (schul-)psychologisch abgeklärt sind.

5.1 Abklärungen

Die meisten Abklärungen kamen auf Initiative der Eltern zustande und wurden auch zum grössten Teil privat finanziert. 17 wurden privat abgeklärt, 2 über die Schule und 6 sowohl privat als auch über die Schule. 3 sind nicht abgeklärt. Etwa im gleichen Verhältnis wurde die Unterforderung auch entdeckt: 18 durch die Eltern, 2 durch die Schule und 6 gemeinsam durch die Eltern und die Schule.In etwa 2/3 der Fälle entdeckten die Eltern oder andere Personen die Unterforderung der Kinder und veranlassten eine Abklärung. Nur bei etwa 1/3 der Fälle war die Schule bei der Entdeckung der Unterforderung beteiligt. Es mag verschiedene Gründe geben, weshalb die Unterforderung nicht durch die Schule entdeckt wurde. Gründe zusammenzustellen wäre interessant, würde aber den Rahmen des Berichts sprengen.

5.2 Auffälligkeiten ab der Kindergarten- und Schulzeit

In immerhin 15 Fällen wurden psychosomatische Reaktionen (Kranksein) der Kinder beschrieben, worauf die Eltern versuchten, die Ursachen herauszufinden. Häufig wurde genannt, dass das Kind im Kindergarten oder der Schule angepasst war, zu Hause jedoch aggressiv oder depressiv oder mit Kranksein reagierte. Dies erklärt vielleicht, warum in den meisten Fällen die Eltern vielleicht auch gemeinsam mit anderen Personen die Unterforderung ihrer Kinder entdeckten und nicht Schule oder Kindergarten.

Verschiedene Reaktionen der Kinder in Kindergarten oder Schule bringen die Stichwörter auf dem Datenblatt in der 7. und 8. Spalte zum Ausdruck.

5.3 Früher Einschulen und Springen

15 Kinder haben bereits einmal eine Klasse übersprungen, das ist knapp mehr als die Hälfte aller Kinder der Stichprobe. 4 Kinder wurden oder werden früher eingeschult werden oder es läuft ein entsprechendes Verfahren. 9 haben bis jetzt keine Klasse übersprungen. Das Springen selbst ist eine einfache und sehr kostengünstige Massnahme, die eine vorübergehende Entlastung bringt, jedoch keine Fördermassnahme darstellt. Aus verschiedenen Gründen kommt Springen nicht für jedes Kind in Frage. Auch diese Gründe können an dieser Stelle nicht zusammengestellt werden, sondern bedürfen einer gesonderten Untersuchung.

5.4 Der Umgang mit dem Problem im Schulalltag

Im Fragebogen konnten Eltern sich frei äussern über das Verhalten von Lehrern gegenüber dem Kind. 19 Eltern (ca. 2/3!) erwähnten fehlendes Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes gegenüber 11 Nennungen von Verständnis. 8 Mal wurde erwähnt, dass die Lehrkraft zwar versuche Massnahmen im Unterricht zu ergreifen, diese aber oftmals untergingen, nicht gelängen oder die Lehrkraft nicht wisse, welche Massnahmen ergriffen werden könnten. Vor allem bei Kindern mit Lehrerwechsel wurden differenzierte Angaben zum unterschiedlichen Lehrerverhalten gemacht. So kann es zu gegensätzlichen Nennungen beim gleichen Stichprobenelement kommen. Dadurch ist die Gesamtsumme der Nennungen höher als 28.

5.5 Massnahmen zur Förderung

Werden sämtliche Stunden zusammengezählt, die die Kinder ausserhalb des Unterrichts neben der Schule her zusätzlich in Fördermassnahmen oder Hobbies investieren, so wird die Zahl 136 (hundertsechsunddreissig) erreicht! Wird die Summe der Lektionen gegenübergestellt, in denen ein Teil der Kinder vom Unterricht dispensiert ist, wird die Zahl 17 erreicht! Dies mag ein hinkender Vergleich sein, er deutet jedoch auf eine enorme Zeitproblematik hin. Das heisst, die Kinder leisten neben der Schule ca. 120 Zusatzstunden pro Woche, das macht pro Kind durchschnittlich ca. 4 Stunden.

Die Angaben über die Stundenzahl, die vom Kind pro Woche für Hobbies oder Fördermassnahmen aufgewendet werden, schwanken zwischen 0 Stunden als kleinstem Wert und 13.5 Stunden als höchstem Wert, der Mittelwert liegt bei 4.8 Stunden.

Pro Woche wenden von den 28 Kindern ... 
Stunden für Nebenbeschäftigungen auf
3 und mehr 4 und mehr 5 und mehr
Anzahl Kinder 21 14 (Hälfte) 13
Diese Hobbies, Massnahmen oder "Nebenbeschäftigungen" beinhalten oftmals das Erlernen von einem oder mehreren Musikinstrumenten, oder das Erlernen einer Fremdsprache. Es darf nicht vergessen werden, dass die Fahr- und Übungszeiten, die dafür aufgewendet werden, nicht erfasst wurden.

Die Kosten dafür tragen 18 Eltern alleine, bei weiteren 8 Eltern beteiligt sich die Schule "anteilig" an den Kosten für Fördermassnahmen der Kinder. 2 Kinder erhalten vermutlich aufgrund des noch jungen Alters keine Massnahmen.

Nur 4 Eltern gaben an, dass das Kind während des Unterrichts von Übungsstoff entlastet wird und dafür spezielle andere Aufgaben erhält. Diese Zahl unterstreicht die Unerfahrenheit oder Unkenntnis der meisten Lehrkräfte im Umgang mit dem Problem der Unterforderung von Kindern mit überdurchschnittlichem Potential im Unterricht. Die Zahl zeigt auch, dass bis jetzt sehr wenig oder nichts in bezug auf Förderung während der Unterrichtszeit passiert.

Die Kinder opfern einen grossen Teil ihrer Freizeit für Massnahmen und Hobbies, die zum Teil die Unterforderung in der Schule ausgleichen sollen, jedoch bleibt ihnen dann kaum mehr Zeit zum freien Spielen, Konstruieren, Schreiben, ... die sicher auch sie geniessen würden.

5.6 Verhalten von Kindern und Eltern ausserhalb der Schulzeit

21 Eltern gaben an, dass sie von den betroffenen Kindern bereits als Baby stark oder sehr stark beansprucht wurden. Nur 6 Eltern wurden wenig beansprucht, 1 Kind beanspruchte die Eltern "normal". Diese Aussagen sind selbstverständlich sehr subjektiv, jedoch ist auffällig, dass in 21 von 28 Fällen eine ähnliche Aussage gemacht wurde. Aufgrund der Antworten wann ein Kind die ersten Wörter oder Sätze gesprochen hat, kann keine zusammenfassende Aussage gemacht werden, "gemeinsame Nenner" gibt es kaum und einige Eltern konnten sich nicht mehr genau erinnern. Interessant ist vielleicht die Nennung in 2 Fällen, das Kind habe lange Zeit gar nicht gesprochen, plötzlich jedoch mit ganzen, grammatikalisch korrekten Sätzen.

Die Frage, ob das Kind lieber mit älteren, jüngeren, gleichaltrigen zusammen ist oder lieber alleine ist wurde entsprechend der folgenden Tabelle beantwortet. Mehrfachnennungen waren möglich, weshalb die Summe grösser als 28 ist.

Das Kind bevorzugt in der Freizeit den Umgang mit... älteren Kindern jüngeren Kindern gleichaltrigen Kindern ist Einzelgänger
Anzahl Nennungen 17 5 4 13
18 Mal wurde angemerkt, dass das Kind am liebsten mit Erwachsenen diskutiert. Die Themen sind sehr breit und reichen von, Geografie, Geschichte, verschiedenen Naturwissenschaften über Politik, soziale Beziehungen in Familien, Technik, bis Umweltschutz ...

Fast die Hälfte sind Einzelgänger. Dies liegt vermutlich nicht nur am Charakter der Kinder. Sie finden in der Welt der "gleichaltrigen" kaum Kollegen mit ähnlichen Interessen, mit denen sie diskutieren könnten. Diese Diskussionspartner finden sie eher in der Welt der Erwachsenen.

Zum Antwortverhalten auf Fragen ihrer Kinder erfolgten die Angaben wie folgt. Mehrfachnennungen waren möglich, weshalb die Summe grösser als 28 ist.

Wie reagier(t)en Sie auf Fragen Ihrer Kinder? Auf jede Frage eine Antwort Hilfestellung zur Antwortfindung Diskussion und Auseinandersetzung mit der Frage Genervt vom vielen Fragen
Anzahl der Nennungen 22 8 11 3
 Auffällig ist, dass fast alle Eltern angaben, sie hätten schon immer versucht, auf jede Frage eine Antwort zu geben. Mit zunehmendem Alter der Kinder muss oftmals das Lexikon zu Rate gezogen werden oder die Eltern geben dem Kind Hilfestellung, wie es selbst eine Antwort finden kann. Nicht immer bleibt die Zeit für ausführliche Diskussionen über Fragen, aber auch diese finden mit zunehmendem Alter häufiger statt. Immerhin 3 Eltern erwähnten, mitunter vom vielen Fragen genervt zu sein. Eine Aussage, die vermutlich weit mehr Eltern empfinden.

6. Elternaussagen

 

Die folgende Tabelle wiedergibt freie Elternaussagen. Sie wurden freien Kommentaren auf den Fragebögen entnommen. Es sind keine Zitate sondern eine Zusammenfassung der Kommentare in wenigen kurzen Sätzen oder Stichworten. Diese Aussagen wurden alphabetisch sortiert, sodass sie nicht mehr mit den einzelnen Stichproben in Verbindung gebracht werden können. Viele Eltern werden viele dieser Aussagen selbst ähnlich erlebt haben. Damit sollen auch emotionale Grenzsituationen zum Ausdruck kommen, in die Eltern von ihren (fast völlig) verzweifelten Kindern immer wieder gebracht werden.

Antrag der Eltern: Lehrerin muss sich an Lehrerberater wenden. Die Lehrerin hat das leider nie für nötig gehalten
Begabungen sind etwas wunderbares, die Kinder dürfen stolz sein
Bettlektüren gehörten mit 18 Monaten zur Tagesordnung
Das Kind wurde nie gut akzeptiert in der Schule
Der Junglehrerin fehlte die Kapazität irgendetwas speziell für sie zu machen. Sie ist momentan kein glückliches Kind
Durchs Springen ist das Kind ausgeglichener, braucht trotzdem noch viel "Futter"
Eltern werden "belächelt". Gutachten von Fachleuten werden nicht anerkannt 
Frag nicht soviel
Frühe Abklärung, profitierte von den Erfahrungen mit den älteren Geschwistern
Gefühl der Ohnmacht, wenn Kind sich weigert nur einen einzigen Buchstaben zu schreiben, und wenn es lieber sterben will als in die Schule zu müssen. Lehrer begegnen den Kinderfragen zum grossen Teil mit Gleichgültigkeit
Gespräche in die Tat umsetzen, extrem begabtes, nicht leistungswilliges, völlig unterfordertes Kind
Hoffen auf früheres Einschulen
Integration der Begabungsförderung, keine charakterlich elitäre Entwicklung
Integrative Lösung? Kind will nicht "beschäftigt" sein, sondern gefordert
Kind lacht selten, ist eher traurig
Mehr Freizeit für die vielen Massnahmen und Hobbies
Lehrer nehmen die Begabung widerwillig zur Kenntnis, wollen Kind nicht anders als durchschnittliche Kinder behandeln
Rechtzeitig richtige Ursache erkennen. Leidenszeit sollte nicht 4 Jahre dauern, bis die Ursache erkannt ist!
Schule war im Rahmen der Möglichkeiten eher unterstützend, bei weitergehenden Massnahmen Hinweis auf finanzielle Konsequenzen Anpassungsleistung des Kindes ermöglichte eine befriedigende Entwicklung
Schulische Fördermassnahmen werden vermisst. Dauernde Rechtfertigung der Eltern zur Begabtenproblematik abschaffen
Sie ist momentan glücklich. Sie freut sich aufs Gymi. Die private Schule bietet an den Nachmittagen alle Unterstützung an, um eigenen Fragen nachzugehen.
Sie nahm sich immer mehr zurück, traute sich immer weniger zu, fühlt sich minderwertig. Flüchtigkeitsfehler als Signal achten.
Sinnvolle Beschäftigung für Begabte in der Schule, trotz Springen gibt es Langeweile. Wutanfälle, Frust, Fieber sind die Folge.
Statt unnötiges Ueben, Zeit für die vielen Nebenaktivitäten
Ueben weglassen, schneller vorwärtsgehen, die Freude an der Schule steht und fällt mit der Lehrperson
Wartezeit auf Lösungsversuche ist zu lange. Es ist frustrierend, zu sehen, wie schlecht es dem Kind immer wieder geht.
Wegen hoher Anpassungsfähigkeit erst bei "chronischem Kranksein" erkannt
Wurde falsch eingeschätzt, Gefahr von Zurückstufung

7. Wünsche für die Zukunft

Ein erster Schritt ist die Anerkennung der Unterforderung als Problem bei Lehrkräften, Behörden sowie in der Öffentlichkeit.

Auffallend ist, dass zur Zeit sehr viel von den Kindern und ihren Eltern geleistet wird, während von der Schule nur selten Massnahmen ergriffen werden, die die eigentliche Ursache der ernsthaften Unterforderung lindern könnten. Angesichts der relativ grossen Zahl des Unverständnisses von Lehrkräften oder der Hilflosigkeit von Lehrkräften, die Verständnis zeigen, wäre es wichtig, Unterforderung als Problem in die Lehreraus- und -fortbildung aufzunehmen. Für die Realisierung von Massnahmen während der Unterrichtszeit sollten den Lehrern Mittel und Wege aufgezeigt werden. Kinder mit überdurchschnittlichem Potential wollen nicht im Unterricht "beschäftigt" sein, sondern gefordert, denn nur dann können sie an den Aufgabenstellungen wachsen, anstatt daran zu verzweifeln.

Bis eine entsprechende Fortbildung bei den Lehrkräften wirksam wird und schliesslich Massnahmen während der Unterrichtszeit ergriffen werden, könnte jetzt schon häufiger über Dispenszeiten nachgedacht werden, die die Kinder zumindest entlasten würden. Bei der Diskussion um Massnahmen sollten Behörden und Lehrkräfte sich bei der Entscheidungsfindung durch anerkannte, ausgebildete Berater unterstützen lassen.

© Martina Harrer


Etwaige Kommentare an die Autorin, Martina Harrer, oder an Sven Müller
Letzte Änderung: 23. Juni 1998